Welche Laufweste brauchst du fürs Trailrunning, und wie muss sie sitzen?
Eine gute Laufweste sitzt wie eine feste Umarmung, wippt nicht und hält dein Getränk in Reichweite. So wählst du das richtige Volumen für deine Tour oder deinen Wettkampf, lässt sie an deinen Brustumfang anpassen und entscheidest zwischen weichen Flaschen und einer Trinkblase. Mit Tipps für Frauen, für Läufer mit höherem Körpergewicht und für gebrauchte Westen, dazu ein Ladencheck.
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Eine gute Laufweste spürst du unterwegs kaum. Sie liegt eng am Körper wie eine feste Umarmung, wippt beim Bergablaufen nicht und hält dein Getränk in Reichweite. Vier Dinge bestimmen deine Wahl: das Volumen für deine längste Tour, die Größe nach deinem Brustumfang, wie du trinkst (Flaschen vorne oder eine Trinkblase auf dem Rücken) und wo die Taschen sitzen. Stimmen diese vier Punkte, vergisst du, dass du eine Weste trägst, und kannst einfach den Weg genießen. [1]
Auf belgischen Trails ist das kein Luxus. In den Ardennen und im Hohen Venn läufst du manchmal stundenlang ohne Dorf, Café oder Wasserhahn, und ein Herbstmorgen kann schnell von Sonne in Nieselregen umschlagen. Wer dann Wasser, eine Jacke und ein Handy dabei hat, bringt die Tour in Ruhe zu Ende. So bleibt der Spaß erhalten, auch wenn das Wetter oder deine Beine mal nicht mitspielen.
Brauchst du eine Weste, oder reichen ein Hüftgurt oder eine Handflasche?
Eine Weste brauchst du erst, wenn du mehr mitnehmen musst, als in eine Hand oder um die Hüfte passt. Läufst du weniger als eine Stunde mit Wasser zu Hause oder unterwegs, reicht eine Handflasche oder sogar nichts. Willst du Handy, Schlüssel und eine Flasche auf einem Lauf von einer Stunde oder etwas länger mitnehmen, ist ein Hüftgurt leicht und einfach. Stell dir vor, du drehst nach der Arbeit eine Runde im Sonienwald. Ein Hüftgurt reicht dann locker.
Läufst du länger als ein paar Stunden ohne Verpflegung, willst du eine Regenjacke mitnehmen oder schreibt dein Wettkampf eine Ausrüstung vor, wähle eine Weste. Eine Weste verteilt das Gewicht auf Brust und Rücken. Eine volle Flasche am Hüftgurt zieht bei jedem Schritt an deiner Taille, und das spürst du nach zwanzig Kilometern. Bist du noch unsicher, fang mit dem an, was du hast, und wechsle zu einer Weste, sobald du unterwegs etwas vermisst.
Wie viele Liter brauchst du?
Das Volumen in Litern sagt, wie viel in alle Taschen zusammen passt, ungefähr wie bei einem Koffer. Laufwesten gibt es von etwa 4 bis 15 Litern. Eine Weste mit 4 bis 8 Litern ist für kurze Trainingsläufe mit Wasser in der Nähe und für Wettkämpfe gemacht. Sie sitzt kompakt und bleibt leicht, aber eine dicke Jacke und eine volle Mahlzeit passen nur knapp hinein. [1]
Für eine lange Trailtour ohne Verpflegung wählst du 8 bis 12 Liter. Stell dir vor, du läufst im Herbst einen halben Tag rund um Botrange im Hohen Venn. Dann willst du etwas zu trinken, zu essen, eine Jacke und eine warme Schicht dabeihaben, und das passt in diese Klasse. Westen mit 12 bis 15 Litern sind für Ganztagestouren, und auch dann, wenn du Laufen und Wandern kombinierst oder unterwegs die Sportart wechselst. [1]
Bei einem Wettkampf entscheidet die Liste der Pflichtausrüstung, nicht dein Gefühl. Bei einem kurzen Trail brauchst du manchmal wenig: Für die Rennen in der 20K-Kategorie verlangt der Eiger Ultra Trail by UTMB nur ein Handy, einen Becher, 0,5 L Wasser und eine Pfeife. Dafür reicht ein Hüftgurt oder eine kleine Weste. Bei den 100 km verlangt dasselbe Reglement unter anderem mindestens 1 L Wasser, zwei Stirnlampen, eine Rettungsdecke, eine Verpflegungsreserve, eine wasserdichte Jacke mit Kapuze, eine Hose, die die ganzen Beine bedeckt, und eine warme Schicht mit langen Ärmeln. Das muss alles in deine Weste passen, und dazu kommen noch Essen und Trinken für das Rennen. Für die Verpflegungsreserve empfiehlt die Organisation 800 kcal. Sieh dir also die Liste deines eigenen Wettkampfs und deiner Ausgabe an und pack deine Weste damit, bevor du sie kaufst. [3]
Wie muss eine Laufweste sitzen?
Wähle deine Größe nach dem Brustumfang, nicht nach deiner Körpergröße oder deiner Rückenlänge: Die Hersteller arbeiten meistens mit dem Brustumfang. Miss mit einem Maßband unter den Achseln um die breiteste Stelle deiner Brust und vergleiche das mit der Größentabelle der Marke. Leer muss die Weste überall eng am Körper sitzen, wie eine feste Umarmung. Trotzdem muss noch Platz sein, um die Gurte enger zu ziehen, denn deine Weste wird leichter, wenn du trinkst und isst. [1]
Eng heißt nicht stramm. Die Weste darf nicht wippen oder schwingen, aber du musst noch frei atmen können. Atme im Laden einmal tief ein: Spürst du die Gurte in die Rippen schneiden, sitzt sie zu stramm. Erfahrene Läufer stellen die Gurte beim Laufen nach: etwas lockerer bergauf, wo du tief atmest, und etwas straffer im technischen Gelände, wo du bei jedem Sprung über Wurzeln keine Stöße spüren willst. [2]
Probiere eine Weste immer gefüllt an. Eine leere Weste sitzt anders als eine mit Wasser und Ausrüstung, und das Wippen merkst du erst, wenn Gewicht drin ist. Wippen kommt vor allem von einer Weste, die zu locker oder zu groß ist, nicht von der Marke oder dem Modell. Verteile das Gewicht auf Vorderseite und Rücken, dann bleibt die Weste am ruhigsten. [1] [2]
[1]Frauen und größerer Brustumfang: Worauf achtest du?
Bei Frauen entscheidet die Position der Brustgurte, ob die Weste bequem sitzt. Der Passform-Tipp von Salomon: der obere Brustgurt auf Höhe der Brust oder knapp darüber, der untere in einer Linie mit dem unteren Ende deines Brustkorbs. Verschiebe die Gurte in der Höhe und in der Breite, bis es gut sitzt. Kleine Verschiebungen machen schon einen großen Unterschied. Eine Weste, bei der du die Gurte nicht verschieben kannst, passt dir nur, wenn sie zufällig an der richtigen Stelle sitzen. [2]
Damenmodelle haben meistens einen kürzeren Oberkörper, Gurte an anderer Stelle für verschiedene Brustgrößen und anders angeordnete Taschen. Die Gurte sitzen anders, um Scheuern zu vermeiden. Vorne funktionieren weiche Flaschen besser als harte Trinkflaschen: Harte Flaschen drücken auf die Brust, weiche Flaschen passen sich deinem Körper an. Hast du einen größeren Brustumfang oder einen langen Oberkörper, probiere sowohl ein Damen- als auch ein Unisexmodell an, gefüllt. Wähle das Modell, bei dem die Gurte oberhalb und unterhalb deiner Brust bleiben, und nicht das Modell, auf dessen Etikett das richtige Geschlecht steht. [1] [2]
Läufer mit höherem Körpergewicht oder breitem Brustkorb
Auch hier fängst du bei der Brusttabelle an, nicht bei der Größe deines T-Shirts. Wähle eine Weste, bei der du in deiner Größe noch Gurt übrig hast, wenn du sie anziehst. So kannst du sie später lockerer stellen, wenn du darunter eine warme Schicht trägst. Achte auf die Ränder unter den Achseln: Weiche, abgerundete Ränder scheuern weniger als eine steife Naht, wenn deine Arme daran vorbeischwingen. Bist du unsicher zwischen zwei Größen, nimm die, bei der du die Gurte bei gefüllter Weste noch straffer ziehen kannst, und nicht die, bei der sie schon ganz am Ende sitzen.
Weiche Flaschen oder eine Trinkblase?
Weiche Flaschen sind Flaschen aus biegsamem Kunststoff in den Taschen vorne, die wie ein Ballon zusammenfallen, wenn du trinkst. Du greifst sie, ohne anzuhalten, siehst, wie viel du noch hast, und kannst in jede Flasche etwas anderes füllen, zum Beispiel Wasser in die eine und Sportgetränk in die andere. Zusammen fassen sie meistens etwa 1 L. Ein Nachteil: Eine Flasche in eine volle Weste zurückzustecken, klappt beim Laufen schlecht. [1]
Eine Trinkblase ist ein Plastikbeutel mit einem Schlauch, der im Rücken deiner Weste sitzt. Sie gibt dir 1,5 bis 2 L extra, nimmt aber Platz weg, den du sonst für eine Jacke nutzen würdest. Dein Rücken wird wärmer, du musst die Weste ausziehen, um sie aufzufüllen, und das Wasser schwappt, wenn sie leerer wird. Wähle weiche Flaschen für Wettkämpfe mit Verpflegung und für Trainingsläufe mit einem Wasserhahn unterwegs. Wähle Flaschen vorne und eine Trinkblase für eine lange Sommertour in den Ardennen ohne Verpflegung. [1]
Welche Tasche nutzt du wofür?
Verstau vorne, was du oft brauchst. Die Taschen an den Schultergurten erreichst du im Laufen, aber für die Taschen auf dem Rücken und unten musst du meistens anhalten und die Weste ausziehen. Gels, ein Riegel, dein Handy und ein Taschentuch gehören also nach vorne. Eine Regenjacke, die du nur ab und zu anziehst, kommt nach hinten. Prüf im Laden auch, ob du eine Tasche mit einer Hand öffnen und schließen kannst: Mit kalten Fingern an einem nassen Wintermorgen zählt das. [1]
Wie warm wird eine Laufweste?
Je mehr Stoff auf deinem Rücken sitzt, desto wärmer wird dir. Westen aus leichtem Stoff und Mesh, einem feinen Netz mit Löchern wie in einem Sportshirt, lassen die Luft besser durch. Kleinere Westen mit 4 bis 8 Litern bleiben kühler, und ein Rücken voller Ausrüstung belüftet schlechter. Im Juli bergauf im Ourthetal spürst du diesen Unterschied. Im Winter ist ein warmer Rücken gerade angenehm. Läufst du vor allem im Sommer, wähle die kleinste Weste, in die deine Ausrüstung passt. [1]
| Eigenschaft | Was es ist | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Volumen | Wie viele Liter in alle Taschen zusammen passen | Pack deine längste Tour oder die Pflichtliste deines Wettkampfs und schau, ob es passt |
| Größe | Nach dem Brustumfang | Miss deine Brust und vergleiche mit der Tabelle der Marke |
| Passform leer | Wie die Weste ohne Ladung sitzt | Eng wie eine feste Umarmung, mit Platz, um die Gurte enger zu ziehen |
| Passform gefüllt | Wie die Weste mit Wasser und Ausrüstung sitzt | Kein Wippen beim Hüpfen oder Treppabgehen, und du kannst frei atmen |
| Brustgurte | Gurte, die die Vorderseite schließen | In Höhe und Breite verschiebbar. Bei Frauen oberhalb und unterhalb der Brust |
| Weiche Flaschen vorne | Biegsame Flaschen in den Brusttaschen | Gut erreichbar, und du kannst sie zurückstecken, wenn die Weste voll ist |
| Trinkblase hinten | Beutel mit Schlauch im Rücken | Platz, der für deine Jacke bleibt, und wie leicht du sie auffüllst |
| Taschen | Stauraum vorne, an den Seiten und hinten | Was du im Laufen erreichst, und ob du eine Tasche mit einer Hand öffnen kannst |
| Belüftung | Wie viel Luft durch den Stoff geht | Mesh und leichter Stoff am Rücken, besonders wenn du vor allem im Sommer läufst |
| Stoff und Verarbeitung | Dicke des Stoffs, Nähte, Reißverschlüsse, Schnallen | Dickerer, weniger dehnbarer Stoff hält länger, kann aber weniger bequem sein |
| Gewicht | Gewicht der leeren Weste | Die meisten Westen wiegen leer weniger als etwa 450 g. Die Passform zählt mehr als ein paar Gramm |
Gebraucht kaufen und deine Weste pflegen
Ist dein Budget knapp, ist eine gebrauchte Weste eine gute Wahl, vorausgesetzt die Passform stimmt und die Teile sind heil. Eine Weste verschleißt vor allem an Reißverschlüssen, Nähten und Schnallen. Dickerer, weniger dehnbarer Stoff hält länger. Teste jeden Reißverschluss über die ganze Länge, zieh am Gummi der Taschen und der Gurte (ein ausgeleiertes Gummi hält deine Flaschen nicht mehr an Ort und Stelle) und schau, ob die Nähte unter den Achseln und an den Schultern noch halten. Schraub die Flaschen oder die Trinkblase auf, spül sie aus und riech daran, und kontrolliere das Beißventil: Das Käppchen, aus dem du trinkst, muss schließen, ohne zu tropfen. Zweifelst du an den Flaschen, ersetz nur diese und behalte die Weste. [1]
Pflege ist einfach und macht deine Weste widerstandsfähiger gegen Verschleiß. Spül die Weste nach einem verschwitzten oder matschigen Lauf mit lauwarmem Wasser aus, damit Salz und Sand den Stoff und die Reißverschlüsse nicht angreifen. Wasch sie mit der Hand statt in der Maschine, dann bleiben Gummi und Nähte länger gut. Lass Flaschen und Trinkblase offen trocknen, dann riechen sie bei deinem nächsten Lauf nicht muffig. [1]
Ladencheck: So testest du eine Laufweste
- Kenne deinen Brustumfang und nimm deine eigenen Flaschen, deine Regenjacke und dein Handy mit in den Laden.
- Zieh die Weste leer an und stell sie eng ein: Sie darf nicht einengen, und es muss noch Gurt übrig sein.
- Füll sie mit Wasser und deinen eigenen Sachen und verteile das Gewicht auf Vorderseite und Rücken.
- Atme tief ein: Die Brustgurte dürfen nicht in deine Rippen schneiden.
- Verschiebe die Brustgurte in Höhe und Breite, bis sie ruhig sitzen. Frauen: oberhalb und unterhalb der Brust.
- Hüpf, geh eine Treppe hinunter und dreh deinen Oberkörper: Nichts darf wippen oder schwappen.
- Nimm eine Flasche aus einer Tasche und steck sie zurück, ohne hinzusehen und mit einer vollen Weste.
- Spür mit den Armen an den Achseln entlang: weiche Ränder, keine Naht, die scheuert.
- Prüf Reißverschlüsse, Nähte und Schnallen, auch bei einer neuen Weste.
So fängst du diese Woche an
Nimm ein Maßband, miss deinen Brustumfang und schreib auf, was du auf deiner längsten Tour dieser Saison mitnehmen willst. Geh mit dieser Liste, deinen eigenen Flaschen und der Checkliste oben in einen Laden, oder schau dir damit eine gebrauchte Weste an. Wähle danach eine Route aus der RouteRadar-Bibliothek oder lade deine eigene GPX hoch, und lass Pre-Flight deine Route prüfen, bevor du losgehst. Pack die Weste zu Hause so, wie du es für die echte Tour tust, sag jemandem, welche Route du läufst, und speichere die 112 als Notrufnummer. Danach beginnt der schönste Teil: ein erster langer Lauf, bei dem du deine Weste einfach vergisst.
Quellen und Belege
- Treeline Review — The Best Running Hydration Vests · Quelle geprüft am:
- Trail Sisters — How to fit a hydration vest · Quelle geprüft am:
- Eiger Ultra Trail by UTMB — Mandatory equipment · Quelle geprüft am: